Ein Executive Briefing für Geschäftsführung und Inhaberschaft

Steigende Umsätze gelten als das eindeutigste Zeichen für unternehmerischen Erfolg. Genau in dieser Wachstumsphase geraten mittelständische Unternehmen jedoch besonders häufig in Liquiditätsengpässe, mitunter so stark, dass profitables Wachstum in eine akute Zahlungskrise mündet. Der Grund ist selten mangelnde Rentabilität. Der Grund ist Working Capital, das schneller wächst als die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens.

Wer Wachstum ausschließlich anhand von Umsatz und Ergebnis steuert, übersieht die Kennzahl, die über die Zahlungsfähigkeit tatsächlich entscheidet: den Cash Conversion Cycle, also die Zeitspanne, in der Kapital in Lagerbeständen und Forderungen gebunden ist, bevor es als liquide Mittel zurückfließt.

Warum steigende Umsätze zuerst Liquidität kosten

Wachstum verlangt Vorleistung: Wareneinkauf, Produktion oder Personal müssen finanziert werden, bevor der zusätzliche Umsatz als Zahlungseingang beim Unternehmen ankommt. Je stärker und je schneller ein Unternehmen wächst, desto größer wird diese Vorfinanzierungslücke, selbst bei unverändert guter Marge. Ein Unternehmen kann also gleichzeitig profitabel und illiquide sein, und genau diese Konstellation überrascht Geschäftsführungen regelmäßig, weil die Gewinn- und Verlustrechnung keine Warnsignale zeigt, während das Konto sich leert.

Working Capital als zentrale Steuerungsgröße

Working Capital, die Differenz zwischen kurzfristigem Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten, ist keine Bilanzkennzahl für den Jahresabschluss, sondern eine operative Steuerungsgröße, die monatlich, in wachstumsstarken Phasen wöchentlich, beobachtet werden sollte. Drei Hebel bestimmen seine Höhe und damit den Liquiditätsbedarf des Wachstums.

Forderungslaufzeiten. Je länger Kunden im Schnitt für die Zahlung benötigen, desto mehr Kapital bindet das Unternehmen in offenen Forderungen. Eine Verkürzung der durchschnittlichen Forderungslaufzeit um wenige Tage setzt bei wachsendem Umsatz oft erhebliche liquide Mittel frei.

Lagerbestände. Wachsender Umsatz verlangt häufig höhere Lagerbestände zur Absicherung der Lieferfähigkeit. Ohne aktives Bestandsmanagement wachsen Lagerbestände jedoch häufig schneller als tatsächlich notwendig, und binden Kapital, das anderswo fehlt.

Zahlungsziele bei Lieferanten. Die eigene Zahlungsfrist gegenüber Lieferanten ist der einzige Working-Capital-Hebel, der die Kapitalbindung nicht erhöht, sondern reduziert. Längere, gut verhandelte Lieferantenzahlungsziele wirken wie eine zinsgünstige Zwischenfinanzierung des eigenen Wachstums.

Kennen Sie den Cash Conversion Cycle Ihres Unternehmens?

Der Cash Conversion Cycle als Frühwarnsystem

Der Cash Conversion Cycle fasst diese drei Hebel in einer einzigen, aussagekräftigen Kennzahl zusammen: die Anzahl der Tage zwischen dem Zeitpunkt, an dem ein Unternehmen für Wareneinkauf oder Produktion Kapital ausgibt, und dem Zeitpunkt, an dem dieses Kapital durch den Zahlungseingang der Kunden zurückfließt, abzüglich der Zeit, die das Unternehmen selbst bei seinen Lieferanten in Anspruch nimmt. Je länger dieser Zyklus, desto mehr Fremd- oder Eigenkapital muss ein Unternehmen vorhalten, um sein Wachstum überhaupt finanzieren zu können.

Unternehmen, die diesen Zyklus aktiv verkürzen, können erhebliches Wachstum aus eigener Kraft finanzieren. Unternehmen, die ihn ignorieren, geräten selbst bei guter Ertragslage regelmäßig in Finanzierungsgespräche, die unter Zeitdruck und aus einer schwächeren Verhandlungsposition heraus geführt werden müssen.

Liquiditätsplanung, die mit dem Wachstum mitdenkt

Eine rollierende Liquiditätsplanung, die den erwarteten Working-Capital-Bedarf des geplanten Wachstums explizit einbezieht, gehört in jedes wachsende Unternehmen, nicht erst dann, wenn die Hausbank danach fragt. Wachstumsszenarien sollten grundsätzlich mit dem dazugehörigen Finanzierungsbedarf durchgerechnet werden, nicht nur mit der erwarteten Ergebniswirkung. Andernfalls wird jede erfolgreiche Vertriebsphase unweigerlich zur nächsten Liquiditätskrise.

Lassen Sie uns Ihre Wachstumsplanung liquiditätsseitig gegenprüfen.

Zusätzlichen Umsatz sinnvoll finanzieren

Steht zusätzlicher Finanzierungsbedarf fest, stehen mittelständischen Unternehmen mehrere Instrumente zur Verfügung, die selten isoliert, sondern meist in Kombination die beste Lösung ergeben: klassische Betriebsmittellinien, Factoring zur unmittelbaren Liquidisierung von Forderungen, Einkaufsfinanzierung zur Entlastung der Vorfinanzierungsphase, oder, bei strukturell wachsendem Kapitalbedarf, eine Erweiterung der Eigenkapitalbasis. Die Wahl des richtigen Instruments hängt entscheidend davon ab, ob der Liquiditätsbedarf saisonal, temporär wachstumsbedingt oder dauerhaft strukturell ist, eine Unterscheidung, die in der Praxis häufig zu wenig sorgfältig getroffen wird.

„Wachstum wird in Unternehmen fast immer gefeiert, Liquidität dagegen erst dann diskutiert, wenn sie knapp wird. Genau umgekehrt sollte es sein.“

Ricardo Dietl, Managing Partner, Blacksd Global

Der nächste Schritt

Wachstum ist kein Selbstläufer, und Liquidität ist keine Nebenbedingung, die sich von selbst regelt. Unternehmen, die Working Capital, Cash Conversion Cycle und Finanzierungsbedarf aktiv steuern, können deutlich schneller wachsen, ohne in Zahlungsengpässe zu geraten oder Wachstumschancen aus reiner Vorsicht ungenutzt zu lassen.

Blacksd Global unterstützt mittelständische Unternehmen dabei, Wachstumsstrategie und Liquiditätsplanung als ein zusammenhängendes System zu denken, mit klaren, umsetzbaren Entscheidungen statt reaktiver Notfallfinanzierung.

Bereit, Ihr Wachstum liquiditätssicher aufzustellen?